Bilder der Woche 47 – Das Nasenloch von Fu Manchu

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- Ist das nicht schön?
– Was?
– Das, was nicht auf diesem Foto ist!
– Eine Seekuh? Einen Regenbogen? Das rechte Nasenloch von Fu Manchu? Es gibt vieles, was nicht auf diesem Foto ist.
– Ja, aber eine Sache ist auf ganz besondere Weise nicht auf diesem Foto!
– Häh?
– Das Plakat, das eigentlich zwischen Tom Party Turkish Night und Kiez-Cider hing! Das Plakat für meine Sololesung im Kultur Café an der Uni Mainz! Ich wollte es unbedingt fotografieren, weil es das erste Mal war, dass das neue Plakat zum Einsatz kam, aber als ich nach der Lesung mit dem Fotoapparat dort vorbeikam, hatte es schon jemand abgenommen – jaja, vielleicht einfach nur, weil die Lesung jetzt vorbei war und es in den Müll konnte, ich stelle mir aber gerne vor, dass es ein Besucher der Lesung mitnahm, weil es so cool aussieht.
So nämlich:

Druck

(Tolles Plakat)

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(Doofes Plakat: “Ich will ein Rind von Dir! 10.000 Lieferdienste sorgen für dicke Bäuche, ohne unerwünschten Nachwuchs! Rinderleicht bestellen” – Was für ein Scheiß! Nicht nur wegen dem Kommafehler! Die Rind doch alle total doof!)

IMG_0424(Ausblicke, Mainz)

Bilder Woche 46 – Jetzt mit noch mehr Gesellschaftskritik und einem Sonntag gratis!

Na gut, ich schummle. Der 9.November war der letzte Tag der 45 Woche, aber der Wochenrückblick war schon etwas länglich geraten, darum erkläre ich Kalenderwoche feierlich zur Vorbildwoche für die Zukunft, indem ich ihr zwei Sonntage zubillige.
Am 9.11. wurde ja einiges Gewese um den 25. Jahrestag des Mauerfalls gemacht, auch ich habe über meine Jugend hinter der MauerPanasonic und den Mauerfall und eine Parallelwelt, in der die Mauer niemals gefallen ist, geschrieben.

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Am Tag selbst spazierte ich an der mit erleuchteten Ballons markierten ehemaligen Grenze von der Bornholmer Straße bis zur Invalidenstraße, wo ich 25 Jahre zuvor das erste Mal die Grenze überquert habe.Ich fand die Installation mit den Ballons eigentlich ganz hübsch, vor allem als sie später, in der Dämmerung, leuchteten. Schwer enttäuscht war ich aber, als man sie schließlich fliegen ließ und sich zeigte, dass die LED-Beleuchtung nicht in den Ballons selber, sondern in den Halterungen untergebracht war – die Dinger verschwanden einfach völlig unspektakulär in der Nacht, das war nicht gerade erhebend. Da hätte es mehr Spaß gemacht, die Luft aus den Ballons zu lassen und dabei Furzgeräusche zu machen, naja.

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Tja, so ist das: Früher war dieses Gebiet an der Bernauer Straße wegen der Mauer für Normalsterbliche nicht betretbar, heute sind es Wohnungseigentümer, die mir den Zutritt verwehren. Es ist vielleicht zynisch, das miteinander zu vergleichen, aber irgendwie finde ich es auch zynisch, wenn einem derart unter die Nase gerieben wird, für wen die DDR-Bürger 89 letzten Endes auf die Straße gegangen sind. Und außerdem: Schließlich sind die es, die schon wieder anfangen, Mauern zu bauen:

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Na gut. Mäuerchen.

IMG_0396Und wo ich schon mal bei Rumätzen bin: Den 9.11. zum verkaufsoffenen Sonntag zu erklären, finde ich zynischer als jeden Witz über Luxuswohnungen im Todestreifen. So als wollten die „Sieger der Geschichte“ noch einmal unmissverständlich klarmachen, worum es bei der ganzen Sache ging.

Am zweiten Sonntag der 46. Woche fand im Berliner Ensemble das Finale der Poetry Slam Meisterschaften Berlin-Brandenburg statt. Ich war Spezialgast und konnte nach meinem Auftritt in Ruhe hinter dem Vorhang den aufgeregten Teilnehmern zu gucken.

IMG_0398Herzlichen Glückwunsch an den Sieger Noah Klaus!

Zugabe:

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(Hier habe ich das erste Mal die Grenze überquert.) IMG_0391 IMG_0378

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Bilder der Woche 45 – Über Pegida, Cosplayer und fehlende Schwimmwesten im Bus

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Nur eine Woche nach dem SLAM2014 verschlug es mich schon wieder nach Dresden. Ich muss gestehen, dass ich nicht verstehe, was momentan jeden Montag in Dresden abgeht. 15.000 Pegidaner, ist das schon die kritische Masse, die zu einer Kettenreaktion führt? Und was wollen diese Menschen eigentlich? Sie haben doch alles! Sie haben Frauenkirche, Semperoper und Zwinger! Und jetzt wird aus dem Hauptbahnhof auch noch ihr Einkaufsbahnhof!

Okay, Ironie aus. Es gibt genug Gründe, auf die Straße zu gehen und „Wir sind das Volk“ zu rufen – nicht zuletzt eklige, ranschmeißerische, vereinnahmende Werbung für den traurigen Umstand, dass noch ein altehrwürdiger Bahnhof in ein Sweatshop-Outlet verwandelt wird. Überall in Europa haben die Leute gegen die Abschaffung des Sozialstaates demonstriert, gegen Einsparungen und eine immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen arm und reich, gegen die Auswüchse eines vollkommen durchdrehenden, totalitären Wirtschaftssystems, das sich Politik, Gesellschaft, Kultur und jeden Einzelnen zum Untertan macht und keine Alternative mehr zulässt (von der chinesischen Option Kapitalismus minus Freiheit abgesehen).
In Dresden aber protestiert man lieber gegen Islamisierung und meint Ausländer an sich. Gegen die, denen es noch schlechter geht als einem selbst, und gegen ein ominöses „die da oben“. Ohne Ideen außer mehr Abgrenzung, mehr Härte, mehr „früher war alles besser“. Es muss ja nicht gleich wie 33 werden, bis 89 war die Welt ja auch prima: Keine Ausländer, keine händchenhaltenden Männer, keine beunruhigenden alternativen Lebensentwürfe, keine Bana … ach nee, die sind eigentlich ganz lecker. Wie vor 89 + Bananen, Smartphones und Tui-Reisen, das wärs! Und „da oben“ jemanden, von dessen Fehlern wir aus der Staats-Presse nichts mehr erfahren, denn das macht nur schlechte Laune, jemanden, der uns endlich wieder sagt, wo’s langgeht und fürs Foto mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd durch die Elbauen reitet oder Wildschweine im Erzgebirge jagt.

IMG_0349(Dresden, Buchmesse)

Schön war es jedenfalls auf der Buchmesse Dresden, da man hier den Fehler von Leipzig und Frankfurt vermieden hat, ganze Hallen mit hunderttausenden von Büchern vollzustopfen. Stattdessen gab es nur ein begrenztes Buchangebot und man kombinierte sie mit einer Spielzeug und Modellbau-Messe! Hurra!

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(Cos-Player wie in Leipzig gab es auch. Na gut, nicht ganz wie in Leipzig. Und ich weiß auch nicht, ob sie den Begriff Cos-Player kennen.)

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(Slam auf der Buchmesse)

Ich habe ja immer gesagt, dass ich Fernbusse schrecklich fände und mich höchstens wegen eines Streiks in diese Mistdinger zwängen würde. Gratis-WiFi hin oder her. Zumal es keinen DB-Kaffee im Zug gibt. Wenn ich mir allerdings, wie auf der nächtlichen Rückfahrt von Dresden nach Berlin, einen ganzen Doppeldecker mit vier Mitreisenden teilen kann und zudem die ganze vordere Reihe oben für mich habe, dann ist das natürlich was anderes.

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(Die Safety-Instructions verströmen ein Hauch von weiter Welt. Wenn es jetzt noch Schwimmwesten unter den Sitzen gäbe und der gemütliche, schnurrbärtige Busfahrer das aus Flugzeugen bekannte Sicherheitsballett aufführen würde …)

Der ökologische Fußbabdruck dieser Reise dürfte verheerend sein und ein volles Flugzeug wäre vielleicht besser gewesen für das Klima. Aber, wenn ich ganz ehrlich bin, die Umwelt ist für mich doch eher ein akademisches Thema, wenn es um meine Bequemlichkeit beim Reisen geht. Ich glaube, viele Leute lügen sich selbst die Hucke voll, wenn sie sagen, sie zögen den Zug aus derlei Gründen vor. Denn dann müssten sie über jede Zugfahrt klagen, auf der sie einen Zweiersitz oder gar einen Vierertisch für sich hatten und müssten nach 6 Stunden im Gang Sitzen in einem überfüllten ICE freudig ausrufen: „Herrlich, wie wenig ich doch mit meiner Reise die Umwelt belastet habe!“

Bilder der Woche 44 – Slam 2014 in Dresden

Woche 44! Eine der besten! Denn in dieser Woche waren die deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften in Dresden und das ist für Slam Poeten ungefähr so wichtig wie das Oktoberfest für Japaner, die Bilderberger-Konferenz für die Illuminaten, wie Weihnachten für den Osterhasen (weil er da Urlaub hat und feiern kann, Mensch!) oder die Fußball-WM für … nee, für wen sollte die Fußball-WM wichtig sein?

Jedenfalls war es sehr, sehr schön, Micha und ich traten nach vielen Jahren wieder als TEAM LSD an, hatten ein super Comeback, wurden Vizemeister und sahen sehr gut aus:

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Das Foto stammt von Marvin Ruppert, schreibender Fotograf, fotografierender Schriftsteller und überhaupt ein Guter!

Hier geht es zu seiner Website, wo man das Buch “Ich mag Regen” erwerben kann, wenn man noch ein Weihnachtsgeschenk oder einfach nur ein gutes Buch zum Selbstverzehr braucht.

Und hier geht es zu seinem Facebook-Album mit Fotos vom Teamfinale.

Als sei nicht sowieso alles schön genug, gab es auch noch tolles Wetter und mein Fahrrad nahm ein herbstliches Fußbad in der Elbe.

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(Backstage <3, Staatsschauspiel Dresden)

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Aus meiner Serie “Schöne Schriftsteller in eher hässlichen Cafés”: Renato Kaiser und Hazel Brugger:

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Kurz nachdem ich dieses Foto geschossen hatte fiel mein Fotoapparat Hazel in die Hände, was zwangsläufig zu seltsamen Bildern führte:

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(“Kaiser, mein Kaiser!”)

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Bilder der Woche 43 – Wiebke forever, Bayreuth in Trümmern und Boxen in Marzahn

Leipzig Moritzbastei – Songslam! Nach zweieinhalb Jahren habe ich mal wieder mitgemacht, um zu überprüfen ob unsere alten Band-Grafittis noch im Backstageraum waren. Waren sie!

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Na gut, es sind eher Kulifittis und wir haben auch nichts Unanständiges dazu gemalt. Das hatten wir nicht nötig.

„Wiebke! First seen on stage at Moritzbastei 25.5.2011“ Hier war der erste von insgesamt drei fulminaten Auftritten der legendären Band Wiebke, bestehend aus Misha Anouk und mir, nach denen wir uns auf dem Höhepunkt unseres Erfolgs auflösten.
So sahen wir damals aus:

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IMG_0335Außerdem verschlug es mich in Kalenderwoche 4x endlich wieder einmal nach Bayreuth, doch was musste ich sehen? Die Sparkasse wird abgerissen, zusammen mit dem Bayreuther Rathaus eins der auf die seltsamste und damit schönste Art hässlichen städtebaulichen Ensembles Frankens, mein Gott, welches Banausentum! Dabei hätte es in Bayreuth nun wirklich anderweitig genug Arbeit für die Bagger gegeben!

Und noch mehr Reisen in die Vergangenheit. Auch in meine alte Heimat Marzahn verschlug es mich.

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IMG_0338Der Ausblick vom 27.Stock war ganz nett, aber interessanter fand ich die folgenden Türen, die sich dort oben alle direkt nebeneinander befinden:

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Mieterboxen – warum nicht Mieterräume? Oder wohnen die da gar nicht? Ist das vielleicht eine Sportart, die nach meinem Wegzug in den Hochhäusern Marzahns zu großer Beliebtheit fand?

Zugabe:

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Versuch über die ethischen Dimensionen und gesellschaftlichen Folgen des Einsatzes von Fahrradrücklichtern mit Standlichtfunktion

Ich finde ja nette Menschen nett. Aber ist es zuviel von diesen netten Menschen verlangt, endlich einmal zu schnallen, dass es Fahrradrücklichter mit Standlichtfuntkion gibt?!!
Das ist doch nun wirklich kein superneues Geheimgadget, mit dem bisher bloß ein paar Google-Ingenieure zu Testzwecken unterwegs sind. Sogar die Straßenverkehrsordnung weiß bereits um ihre Existenz („LED Standlichter müssen eine Nachleuchtzeit von mind. 4 min bei einer Resthelligkeit von 26% der Anfangslichtstärke aufweisen“) Trotzdem werde ich noch immer regelmäßig darauf angesprochen. Und von wem? Von freundlichen Menschen, die mir einen Gefallen tun wollen! Und ich muss ihnen dann erklären, dass alles in Ordnung ist, ihnen kurz die Funktion erklären und mich trotzdem bei ihnen bedanken!

_MG_5046(Nanu-uhu?! Was habe ich denn mit diesem Text zu tun?)

Dem netten Menschen aber ist das Ganze natürlich furchtbar peinlich, er schämt sich, stottert herum, entschuldigt sich, hält sich für dumm, schleicht davon wie ein geprügelter Hund! All seinen Mut hat er zusammengenommen, um die gesellschaftlichen Konventionen, die Mauern zwischen Fremden errichten, zu überwinden; er hat einen freiwilligen, unprovozierten Schritt auf einen Mitmenschen zu gemacht – aus purem Altruismus! Es ist nicht die Hoffnung auf ein Entgelt, oder darauf, dass sich der Angesprochene vielleicht als Multimilliardär, mächtiger Beamter, möglicher Sexualpartner oder sonst jemand entpuppt, dessen Bekanntschaft und Wohlwollen einem eines Tages vielleicht nützlich sein könnte, nein, nicht einmal Freundschaft will er, nur ein Dankeschön und das gute Gefühl, einem Mitmenschen, einem Leidensgenossen auf dem langen Wege von der Geburt zum Tod quer durch das irdische Jammertal einen kleinen Gefallen getan zu haben – und dann das: Blamage! Und er denkt: Recht haben sie, die Leute, die sagen: Der Nette ist immer der Dumme! Und nie wieder wird er einem oder einer Fremden helfen. Aus einem guten Menschen ist ein Mann geworden, der wegschaut, wann immer er Menschen in Not und Gefahr sieht, er legt sich einen Panzer aus Eis zu, den er von nun an in der Öffentlichkeit trägt und auf einmal bin ich Schuld daran, oder wie?! Weil ich die Gemeinheit besessen habe, so ein wundersames Zauberfahrradlicht an mein Fahrrad gebaut zu haben statt mich alle naselang von Autos überfahren zu lassen, oder was?!
Schon alleine die Zumutung, mich in die Verlegenheit zu bringen, ihn in diese peinliche Situation bringen zu müssen! Ihm versichern zu müssen, dass das nicht so schlimm sei, ich es trotzdem urst gut fände und er ein netter (wenn auch dummer, was ich aber natürlich nicht aussprechen darf) Mensch sei und überhaupt, das könne doch jedem mal passieren (pah! von wegen!) und überhaupt hihi, haha! Dabei wäre es doch wohl nicht zuviel von diesem „netten“ Menschen verlangt gewesen, sich über die neusten Entwicklungen auf dem Fahrradrücklichtmarkt zu informieren! Mann! Was für ein mieser Typ!

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(Nüscht!)

Bilder der Woche 42 – Vaterland

Die Bilder der Woche sind diesmal anzahlmäßig nur eins, aber das ist so traurig wie 13 herkömmliche Fotos. Ich war nämlich in Kassel. Kassel ist eigentlich gar nicht so viel hässlicher als andere Städte, allerdings hat es den hässlichsten Bahnhof der Welt (ich nenne ihn Kassel-Wilhelmshölle und berichtete hier und hier) und das deprimierendste Parkhaus oder die deprimierendste Stangentanz-Bar. Kein Wunder, dass der Begriff “Vaterland” in Deutschland etwas in Verruf geraten ist …

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